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Den Menschen verstehen

Aus Martins Wiki

Den Menschen verstehen

Wollen wir im Leben vorankommen, reicht es nicht, die Welt verstehen zu können. Wir müssen uns auch selbst verstehen lernen. Insofern versteht sich folgender Aufschrieb als Komplement zur Seite Die Welt verstehen. Doch wegen der Komplexität des Themas kann ich hier nur eine Reihe von Gedanken präsentieren, die als Gesprächsimpulse dienen können.

Mich selbst verstehen

Schauen wir nur auf den Menschen als solchen und lassen seine jeweiligen Besonderheiten weg (genau wie in Die Welt verstehen), so landen wir bei der Psychologie. Was sagt uns diese Wissenschaft über den Menschen allgemein und damit über uns selbst?

Aus der Fülle der dort behandelten Themen scheinen mir folgende relevant, weil sie für ein gute Miteinander von großer Bedeutung sind:

  • Welches Verhaltensrepertoire hat sich in der Evolution unserer Vorfahren entwickelt, mir dem wir heute in einer gänzlich anderen Welt agieren? (Vertrauen vs. Misstrauen, Machtstreben vs. Kooperation, Gefolgschaft und Gehorsam vs. Selbstverwirklichung und Freiheit)
  • Welche Bedürfnisse teilen alle Menschen und sollten darum auch respektiert werden bzw. deren Erfüllung ermöglicht? Siehe die Maslow'sche Bedürfnispyramide.
  • Welche unbewussten sozialen Verhaltensweisen wohnen uns inne? Sind sie angeboren oder erlernt? Man studiere die Experimente von Milgram, Asch und Zimbardo!
  • Welchen kognitiven Verzerrungen unterliegen wir alle - solange wir sie nicht explizit reflektieren und damit unschädlich machen? Beispiele: confirmation bias, dem Halo-Effekt bzw. allen anderen einer langen Liste. Die confidence heuristic besagt, dass selbstsicher auftretenden Menschen mehr Kompetenz für die Lösung von Aufgaben zugeschrieben wird, als sachlich begründet. Siehe auch hier!

Die anderen verstehen

Nehmen wir an, dass alle anderen Menschen genauso wie wir strukturiert sind, so können wir, was Grundsatzfragen angeht, uns selbst in den anderen erkennen. Verstehe ich mich selbst, verstehe ich auch viel vom anderen. Doch können auch individuelle bzw. biografische Unterschiede dominieren. Wie schaffen wir dann ein gutes Miteinander?

Schaut man auf die Welt, sieht man die Menschen geteilt in Mächtige, materiell Reiche und Menschen mit großem Einfluss (wobei es da bei einzelnen beliebig große Überlappungen geben kann) auf der einen Seite und uns "Durchschnittsbürger" auf der anderen. Die Wenigen auf der einen bestimmen das Leben der Vielen auf der anderen Seite. Wie kommt das und geht das in Ordnung?

Wir sehen, wie die Herrschenden, besonders in autokratischen Systemen, sich geschickt verschiedenster Ideologien bedienen, um sich die Gefolgschaft der Mehrheit zu sichern. Man muss Menschen nicht unter die Knute zwingen, um sie zu beherrschen! Oft reicht schon die Drohung. Den Rest erledigt die Angst der Beherrschten, sie könnten Verluste erleiden, würden sie sich dem Gehorsam entziehen. Dabei muss es gar nicht um blanke, und damit gefährliche Opposition handeln. Die Schere im Kopf erzeugt stromlinienförmige Untertanen: Nur nicht auffallen!

Die Demokratie versucht, diese Zweiteilung von Herrschenden und Beherrschten entweder zu legitimieren oder zu beseitigen, zumindest zu entschärfen. Allerdings ist die Demokratie kein handelndes Subjekt, dazu braucht es engagierte Menschen, auch in Institutionen - eine Tatsache, die oft übersehen wird. (Beispiel: Die EU versucht als demokratisch legitimierte Institution, die Macht amerikanischer Tech-Konzerne zu begrenzen. Viel Zuspruch scheint sie dafür indes nicht zu ernten.)

Sich einer Autorität zu fügen entbindet den Menschen gleichzeitig von der Verantwortung und der Arbeit, das gesellschaftliche Leben selbst zu gestalten. Das kommt vielen zu Pass.

Autoritäten meiden die Kooperation auf gleicher Ebene, weil sie immer einen Machtverlust mit sich bringt. Die eigenständige Kooperation Untergebener gefährdet potentiell die Macht der Autoritäten und muss daher unterbunden werden.