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Die Welt verstehen

Aus Martins Wiki

Vorwort

Der nachfolgende Text könnte als Konzept für eine Vortragsreihe, einen Gesprächskreis, einen Ferien-Workshop oder dergleichen dienen. Aber ich hege aktuell weder die Absicht noch habe ich gar einen Plan in diese Richtung. Das mag sich ändern, falls sich Interessenten für eine Mitarbeit bzw. ein Mitdiskutieren finden.

Zu vielen der unten angesprochenen Themen kann ich Substantielles beitragen, weil sich im Laufe der Jahrzehnte des Lesens und Hörens einschlägiger Medien in mir eine vielfältige Vorstellung gebildet hat.

Einleitung

Die Welt zu verstehen ist nicht nur ein philosophisches Projekt. Man sollte formulieren: "Die Welt verstehen – und dann die richtigen Schlüsse ziehen", um ihm einen praktischen Sinn zu geben: Auf seiner Grundlage kann ich fragen: Wie fühle ich mich? Was soll ich tun, was sollte ich lassen? Wie begegne ich meinen Mitmenschen? Siehe auch die vier Fragen in Immanuel Kants Vorlesungen zur Logik 1765: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“

Die vorgeschlagene Gliederung des Themas erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch geht sie überall in eine angemessene Tiefe. Es handelt sich um einen ersten Entwurf. Aber egal, wie weit man ihn verfeinert: Die Welt lässt sich nicht in ein Schema pressen. Letztlich hängt alles mit allem zusammen. Doch ohne eine formale Struktur wird ein Reden über die Welt kaum befriedigend möglich sein.

Achtung: Wenn im Folgenden von "Welt" die Rede ist, achte man auf die vielfältigen Bedeutungen dieses Wortes. Es kann meinen:

  • den Inbegriff von Existenz
  • alles da draußen, also außer mir (obwohl sie mich einschließt)
  • einen bestimmten Teil davon (z.B. die Welt der Arbeit)
  • die Erdkugel (z.B. in "Weltatlas")
  • den Lebensraum der Menschheit oder diese selbst ("Die ganze Welt redet über KI")
  • ...

Man reflektiere also entsprechend über die jeweils gemeinte Bedeutung! Von der Betrachtung ausgeschlossen bleiben jedenfalls jenseitige, also außerweltliche oder fiktive Vorstellungen, wie "Die fabelhafte Welt der Amélie" (auch wenn ich sie noch so anrührend finde).

Weiterhin sollen nur die Aspekte der Welt betrachtet werden, die alle Menschen gleichermaßen betreffen. Alle individuellen Besonderheiten wie die des Geschlechts, der Hautfarbe, der Landessprache, der Nationalität usw. – so wichtig sie auch sein mögen – bleiben im vorliegenden Konzept aus praktischen Gründen unbeachtet.

Die Welt in Raum und Zeit

Raum und Zeit sind die grundlegenden, angeborenen Anschauungsformen von uns Menschen. Nichts da draußen existiert, ohne dass ein Ort im Spiel wäre. Kein Ereignis findet statt, ohne dass wir einen Zeitpunkt im Auge haben. Auch wenn uns der genaue Ort oder der genaue Zeitpunkt unbekannt ist, so muss es in unserer Vorstellung doch beide geben.

Wir fragen uns: Wo sind wir hier eigentlich und was ist bislang geschehen? Wie jemand, der verschleppt wurde, sein Gedächtnis verloren hat, nun in einer ihm fremden Umgebung aufwacht und sich erst einmal orientieren muss.

Ein Ausgreifen der Betrachtung auf das Universum als Ganzes erscheint vielen Zeitgenossen als einerseits komplex, vielleicht auch spekulativ, oft aber schlicht irrelevant für unser Leben. Dem möchte ich entschieden widersprechen und kann auch gute Gründe dafür anführen.

Der Raum

Wo befinden wir uns, befindet sich die Menschheit im Kosmos?

Wir formen aus Knetmasse ein kleines Kügelchen von 1 Millimeter Durchmesser und denken uns die Erde auf diese Größe geschrumpft. Oder anders herum gedacht: Wir blasen uns zu einer Riesengestalt auf, in der die Erde genau diese Größe annimmt. Wir fassen dieses Kügelchen mit Daumen und Zeigefinger und überlegen, wieviel Mal größer die tatsächliche Erde ist. So gelangen wir zu einer natürlichen Zahl, einem Maßstabsfaktor. Teilen wir die Größen und Entfernungen von Sonne, Mond und Sternen, die wir z.B. in der Wikipedia nachlesen können, gelangen wir zu einem Modell, einer Vorstellung der realen räumlichen Verhältnisse.

Die Zeit

Wo befinden wir uns, befindet sich die Menschheit im Strom der Zeit?

Wir denken uns die Zeit sein Anbeginn der Welt, also dem "Urknall", geschrumpft auf ein Kalenderjahr. Die Jetzt-Zeit entspricht dann Mitternacht am Silvesterabend, also dem 31. Dezember 24 Uhr. So gelangen wir entsprechend dem räumlichen Modell zu einem Maßstabsfaktor, mithilfe dessen wir z.B. feststellen, dass es Menschen erst seit wenigen Minuten gibt und die Pyramiden vor wenigen Sekunden errichtet wurden.

Fremde Welten?

Dürfen, ja müssen wir nicht angesichts der riesigen Dimensionen von Raum und Zeit annehmen, dass es noch eine unüberschaubare Vielzahl anderer Welten gab, gibt oder geben wird? Ergibt sich diese Überlegung nicht zwangsläufig aufgrund der Einsicht, dass erstens nichts darauf hindeutet, das Universum sei wegen uns erschaffen worden und zweitens, dass unsere Existenz in Raum und Zeit nur eine winzig kleines Stäubchen im riesigen Saal des Universums darstellt?

Die Welt des Werdens

Man kann die Welt nicht verstehen ohne zu erkennen, wie sie geworden ist. Welche schöpferischen und welche zerstörerischen Kräfte waren und sind hier am Werk?. Und es ist damit klar, dass die Welt nie mehr dieselbe sein wird wie heute. Wir neigen dazu, das Werden der Welt nur im Hinblick auf uns Menschen zu betrachten. Sollten wir diese Ausrichtung nicht hinterfragen?

Die kosmische Entwicklung

"Am Anfang war der Wasserstoff" lautet der Titel eines Buches von Hoimar von Ditfurth, das ich in den 60er Jahren als eines der ersten dieser Gattung las. Heute ist die Kosmologie ein weites Forschungsfeld.

Die körperliche Evolution des Lebens

Wie formte sich die erste Zelle? Wie entwickelte sich daraus der Mensch – in Raum und Zeit?

Die geistige Evolution des Lebens

Was ist Geist? Wie kam er in die Welt? Wir denken uns Geist als eine emergentes Phänomen lebendiger Gehirne. Letztere haben sich im Verlauf der Evolution gebildet, weil sie das Überleben sichern. Haben ein Bakterium, eine Ameise, eine Katze einen Geist? In wie weit unterscheidet sich ihrer vom menschlichen? Was ist Bewusstsein? Haben nur wir es? Oder auch Schimpansen? Oder gar Large Language Models der KI? Wird sich das Universum seiner selbst durch uns bewusst?

Kulturelle Evolution

Von der Horde zur Gesellschaft, vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern, von der Moral zum Gesetz, vom Revier zum Staat, von der flüchtigen Sprache zur permanenten Schrift, vom Handwerker zum Industriebetrieb, vom ... zum ...

Die Welt in der Krise

Wir haben die Welt so verändert, dass wir nicht mehr zu ihr passen. Wir leiden an krank machendem Bewegungsmangel, nutzen unsere vielfältigen Fähigkeiten zum Erhalt des Lebens nicht mehr (Deskilling), sind überfordert von der Masse an Menschen, der wir direkt oder indirekt begegnen, von der Komplexität unserer Gesellschaft, von der Flut an Informationen, die auf uns einströmt. Unsere physiologische (Fruchtbarkeit) und soziale Fähigkeit (Kinderarmut) zur Reproduktion schwindet. Wir zerstören uns selbst in Kriegen sowie unsere natürlichen Lebensgrundlagen (Klimakrise, Artensterben). Wir liefern uns als Menschheit durch das Machtstreben einzelner einer noch unfassbaren Künstlichen Intelligenz aus. Manche erkennen in der aktuellen Vielfalt von Krisen, der Polykrise, eine Systemkrise, der man nur mit adäquaten, also systemischen Aktionen Herr werden kann, wenn überhaupt. Siehe auch Nate Hagens' Perspektiven!

Die Welt der Sprache

All unser Denken und Kommunizieren setzt Sprache voraus. Sie ist Ermöglicher und Begrenzer gleichzeitig. Wie heißt es bei Wittgenstein so schön: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." Interessanterweise kann mithilfe der Sprache sie selbst zum Gegenstand der Betrachtung werden. Das ist eine erstaunliche Erkenntnis. Wir sprechen ja von Wörtern, Grammatik, Semantik, Pragmatik etc. Von dort führt ein direkter Weg zum Konzept der Bedeutung: Hat sie eine Existenz und damit einen Ort und eine Zeit? Gehirnforscher sagen ja, denn ohne lebendige Menschen gibt es keine Bedeutung von irgend etwas. Geschriebene Texte enthalten ja keineswegs Bedeutungen, sondern nur Zeichen. Bedeutungen werden von Menschen anhand ihrer Wahrnehmung von Zeichen und Lauten ins Leben gerufen. Es ist damit klar, dass durch die vielfältigen Unterschiede der Menschen untereinander ein großer Bedarf an Abgleich der jeweiligen Verständnisse entsteht, dem leider zu oft nicht Rechnung getragen wird.

Die Welt der Wissenschaft

Das Programm der Wissenschaft ist, so viel wie möglich von der Welt zu verstehen. Das führt sie bisweilen zu Vorstellungen, die aller Intuition und Alltagserfahrung zuwider laufen. Von der gekrümmten Raumzeit, dem unausweichlichen Zufall der Quantenwelt bis zur Vorstellung, das Leben hätte sich per Evolution sozusagen eigenständig entwickelt. Wie ein Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht.

Die Welt der Politik, der Kunst, der Wirtschaft, ...

Man kann "die Welt" unter den verschiedensten Perspektiven betrachten. Diese vollständig aufzuzählen oder gar halbwegs sinnvoll auszubreiten übersteigt allerdings meine Kompetenzen und Fähigkeiten bei Weitem.